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Familienforschung im Internet - „Burgenland Bunch“ (aus: Volk und Heimat, 2/2000) Familienforschung ist in den USA ungleich populärer als in Österreich. Vielleicht liegt dies daran, dass die dortigen Genealogen mit dem möglichen Finden des Einwanderungsschiffes und Auswanderungsortes ihrer Vorfahren Forschungsziele von besonderer Symbolkraft vor Augen haben. Bei vielen Nachkommen der burgenländisch-westungarischen Auswanderer des 19. und 20. Jahrhunderts kommt zweifellos noch hinzu, dass durch mündliche Tradition ein Grundwissen über das „old country“ und die dortige Verwandtschaft vorhanden ist - welches allerdings von Generation zu Generation schwindet und oft gänzlich verloren geht. So mancher denkt erst nach seiner Pensionierung an die Tage seiner Kindheit zurück, und so erging es vor einigen Jahren auch dem 1930 als Enkelsohn von vier südburgenländischen Auswanderern in Allentown (Pennsylvania) geborenen Gerald Berghold, dem Gründer und Leiter des „Burgenland Bunch“. Als eine seiner frühesten Erinnerungen bezeichnet er den sonntäglichen Spaziergang, der die Familie in das Vereinslokal des „Liederkranz“ führte. Dort zahlten sie ihre wöchentlichen Beiträge an den Krankenversicherungsverein (der Sekretär, Charles Pöltl, war ein Cousin seiner Großmutter), lasen Zeitungen aus der alten Heimat, und unterhielten sich mit Verwandten und Freunden. Hin und wieder spielte eine Kapelle zum Tanz auf, der kleine Gerald aß ein Brezel und trank ein Glas „birch beer“, und die Männer - alle in ihrem besten Anzug - rauchten Zigarren oder Pfeifen und labten sich an Bier und Schnaps. Die Frauen, auch sie im Sonntagsstaat, kümmerten sich um die Kinder und nahmen sie mit in die Vereinsküche, wenn es dort etwas vorzubereiten gab. In der Erinnerung konserviert ist auch noch so manches in seiner Gegenwart an den Großvater („Wie bischt, Herr Sorger?“ oder „Wie bischt, Luis?“) oder die Mutter („Ach, ist das groß Bui der Gerald?“) gerichtete Wort. Mittlerweile lebt Gerald Berghold als Pensionist in Winchester (Virginia), hat bereits mehrere Reisen ins Burgenland unternommen, und im Laufe des Jahres 1996 über das Internet Kontakt zu Gleichgesinnten geknüpft, die auch mehr über ihre Herkunft und das Land ihrer Vorfahren wissen wollten. Anfang 1997 wurde - mit damals 12 Mitgliedern - der „Burgenland Bunch“ (BB) gegründet. Er ist kein Verein im eigentlichen Sinn des Wortes, sondern ein informelles Forum, das allen offen steht, die sich dem burgenländisch-westungarischen Raum verbunden fühlen. Abgesehen von gelegentlichen Treffen einzelner Mitglieder oder Mitglieder-Gruppen (das Picnic in Minneapolis findet heuer bereits zum dritten Mal statt), existiert der BB nur im Internet. Es gibt keinen Mitgliedsbeitrag, Ein- und Austritt erfolgt durch ein formloses Email, und die „offizielle“ Sprache ist Englisch. Seit Leslie „Hap“ Anderson (Minneapolis) im Jänner 1997 die ersten Internetseiten des BB gestaltet hat, wurden sie über 33.000 mal abgerufen, und die Zahl der Mitglieder ist auf über 500 angewachsen. Sie alle wollen hier mit den Namen und Herkunftsorten ihrer Vorfahren eingetragen werden, um auf diese Weise Kontakt zu Verwandten zu finden. Seit Anfang 1999 besteht auch die Möglichkeit, in einer burgenländischen Wochenzeitung kostenlos nach Verwandten zu suchen, die noch keinen Internetanschluss haben. Die Mitglieder des BB kommen zumeist aus den USA, aber auch aus Österreich, Kanada, Großbritannien, Australien, Ungarn, Deutschland und Israel. Neben Hap Anderson als „Homepage Editor“ wurden im Laufe der Zeit noch Anna Kresh als „Internet Editor“ und der Autor dieses Beitrags als „Burgenland Editor“ zu „staff members“ ernannt. Dieser Kreis von ehrenamtlichen Mitarbeitern wurde in der Folge um einige „contributing editors“ erweitert, die aufgrund ihres Engagements und ihrer Sachkenntnis in einem bestimmten Bereich ausgewählt wurden: Fritz Königshofer, Dale Knebel, Tom Glatz, Frank Teklits, Bill Rudy, Maureen Tighe-Brown, Ernest Chrisbacher, Bob Unger, Charles Wardell und Tom Steichen. Der 14-tägig über das Internet und daher kostenlos versandte Newsletter enthält kurze Ortschroniken, Übersetzungshilfen für alte Dokumente, burgenländische Rezepte, „Reiseberichte“ von Burgenland-Besuchern, Hinweise auf Bücher und Veranstaltungen etc. Bis 30. April 2000 wurden insgesamt 79 Newsletter mit zusammen ca. 1900 Seiten verschickt, die allesamt über die BB-Homepage abrufbar sind. Von dieser Möglichkeit wird auch häufig Gebrauch gemacht, und so übersteigt die Verbreitung des Newsletters die Mitgliederzahl bei weitem. Ein Ziel des BB ist das Herstellen von Kontakten zwischen Mitgliedern, die Vorfahren aus ein und dem selben Ort haben. Sie können sich nicht nur gegenseitig unterstützen, sondern zumeist auch bald gemeinsame Verwandte finden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hilfestellung für genealogische „Anfänger“: Oft sind Ortsnamen nur in mündlicher Überlieferung und daher in entsprechend verzerrter Form bekannt. Viele Anfänger benötigen auch Hilfe bei der Entzifferung und Übersetzung von Matriken-Einträgen, die zumeist in lateinischer oder ungarischer Sprache abgefasst sind. Auch deutsche Kurrentschrift ist für Amerikaner (wie ja auch für viele Österreicher) ohne entsprechende Übung schwer lesbar. Fragen können über den Newsletter gestellt werden, oder über das in Zusammenarbeit mit dem von Charles Wardell geleiteten „Austrian GenWeb“ eingerichtete „Query Board“. Die Mitglieder des BB kommen, wie es im Amerikanischen so schön heißt, „from all walks of life“, aus unterschiedlichen sozialen Schichten: z.B. findet man hier Pensionisten neben Studenten, Professoren, Hausfrauen, Künstlern, Beamten, Ingenieuren, Soldaten, etc.; ebenso unterschiedlich ist die ethnisch-konfessionelle Zugehörigkeit: unter den amerikanischen Mitgliedern befinden sich z.B. ein Rabbiner und zwei katholische Priester. Frank Teklits, ein pensionierter Ingenieur, hat trotz mangelhafter Sprachkenntnisse in fast zweijähriger Tätigkeit ein ganzes Buch über die Geschichte der burgenländischen Kroaten ins Englische übersetzt - mit Erlaubnis des Verlages wurden Auszüge daraus als „Email in Fortsetzungen“ an die BB-Mitglieder verschickt. Auch was die Intensität der Mitarbeit betrifft, ist die Mitgliederschaft unterschiedlich strukturiert: Einige wollen nur einen weiteren kostenlosen Newsletter erhalten oder lediglich ihren eigenen Stammbaum vervollständigen, andere möchten auch mehr über das Burgenland und seine Geschichte und Kultur, bzw. die Herkunftsorte ihrer Vorfahren in Erfahrung bringen. Manche bereiten sich so auf eine Reise ins Burgenland gründlich vor, wobei die gelegentlich im Newsletter zu lesenden „Reiseberichte“ sehr hilfreich sind. Bisher gehören nur relativ wenige BB-Mitglieder auch der „Burgenländischen Gemeinschaft“ an, dem traditionsreichen „Verein zur Pflege der Heimatverbundenheit der Burgenländer in aller Welt“. Überdurchschnittlich hoch ist dieser Anteil unter den „staff members“, und folglich ist man auch bestrebt, die schon bestehende Zusammenarbeit mit der BG weiter zu intensivieren. Es ist eines der erklärten Ziele des BB, das Interesse für das Burgenland in jenen Generationen zu wecken, die der deutschen Sprache nicht mehr mächtig sind. Höchst willkommen sind natürlich auch burgenländische Mitglieder, die über den BB nach „verschollenen“ Verwandten suchen können, oder einfach nur an Korrespondenz mit Nachkommen von Auswanderern ihrer Region interessiert sind. Die Resonanz hält sich hierzulande aber noch in Grenzen, was wohl an dem für uns doch ein wenig seltsam klingenden Name „Burgenland Bunch“ (am besten als „Burgenland Bund“ zu übersetzen) ebenso liegt, wie an der fast ausschließlichen Verwendung der englischen Sprache. Diese ist aber unerlässlich, um die den Auswanderern nachgefolgten und nachfolgenden Generationen zu erreichen. © 2000 Albert Schuch |